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Schweißtechnische Verarbeitung von Rohr für molchbare Rohrleitungen - Teil 3

Im vorangegangenen Artikel vom 13. März 2024 wurde beschrieben, wie die bei der IMOSI GmbH erste Erfahrungen beim Orbitalschweißen mit offener Zange und Kaltdrahtzufuhr von Rohr mit 3,6 mm Wandstärke gemacht wurden.

Diese nicht erfolgreichen Versuche wurden unter Berücksichtigung eines fachlichen Ratschlags unternommen, der im Nachhinein und unter Berücksichtigung eigener Erfahrungen nicht mehr nachvollziehbar erscheint:

Eine Y-Fase-Nahtvorbereitung bedeutet nicht nur einen größeren Aufwand gegenüber der I-Nahtvorbereitung sondern
- bei einlagiger Schweißung ein in bestimmten Schweißpositionen schlechter beherrschbares Schmelzbad
- oder die Notwendigkeit mehrlagigen Schweißens.

Beides führt, unseren Erfahrungen nach, zu mehr Wärmeeinbringung, Verzug und Deformation der Rundheit des Rohres.

Wir standen also wieder am Anfang - inzwischen wurde die Zeit jedoch knapp: Die IMOSI GmbH, kompetent in der Herstellung von Rohrleitungen aus dünnwandigem Rohrmaterial für Pharma- und Biotech-Anlagen, hatte ihren ersten Auftrag über die Vorfertigung von molchbaren Rohrleitungsteilen (DN 100) erhalten. Trotz Unterstützung durch die Firma Orbitalum Tools GmbH in Singen in Form von vorbildlicher Einsatzbereitschaft ihres fachkompetenten Mitarbeiters, Herrn Thomas Hölzer, gelang es uns nicht, am Molchrohr DN 100 zufriedenstellende Schweißergebnisse mit offener Orbitalschweißzange und Zusatzwerkstoff zu erzielen.     Nun wurde es wirklich spannend.

Die Spannung sorgte bei mindestens einem Mitglied des kleinen Molchrohr-Projektteams für einige Nächte mit sehr unruhigem Schlaf. Irgendwie musste diesem Rohr mit seinen 3.6 mm Wandstärke doch schweißtechnisch beizukommen sein! Möglichst noch so, dass die hohen Anforderungen an die Wurzelgeometrie erfüllt werden konnten. Nicht ernstgemeinte Lösungsvorschläge von lieben Kollegen, wie z. B. das Schweißen im All oder auf dem Mond, lockerten die Anspannung nur kurzzeitig.

Schließlich, nach weiteren Versuchen, erneut mit geschlossener Orbitalschweißzange, ohne aufwendige Nahtvorbereitung und ohne Zusatzwerkstoff kamen wir der Lösung Stück für Stück näher. Zielführend waren u. a. außergewöhnliche Orbitalschweißparameter, die selbst der praxiserfahrene Orbitalum-Mitarbeiter so noch nicht gesehen hatte und die unseres Wissens nach von keiner softwaregestützten Programmierhilfe in dieser Kombination vorgeschlagen werden würden. Und wenn man die Schwerkraft schon nicht dazu überreden kann, sich in Bezug auf ein Schmelzbad so zu verhalten, wie man es gern hätte, so kann man das Schmelzbad doch wenigstens teilweise ihrer unerwünschten Wirkung entziehen. An dieser Stelle bitten wir um Verständnis, dass wir keine Details preisgeben.

Nachdem die Orbitalschweißung des Molchrohres durch Verfahrensprüfung und Bedienerprüfungen schweißtechnisch qualifiziert worden war, standen wir erneut vor einer Herausforderung: Alle Testschweißungen wurden ausschließlich an Rohr durchgeführt, der Auftrag über die Vorfertigung von Rohrleitungsteilstücken beinhaltete jedoch die Verschweißung von über 280 Vorschweißflanschen nach DIN 2430-2 mit Rohr bzw. Rohrbogen. Wir waren uns im Voraus gewiss, dass die Vorschweißflansche sich aufgrund ihres höheren Schwefelgehaltes beim Verschweißen anders verhalten würden als Rohrenden bzw. die Anschweißenden von Rohrbögen.

Aber wie "anders" genau? Schließlich konnten wir nicht eine größere Anzahl von teuren Drehteilen für Probenähte opfern und dabei teuren Ausschuss produzieren. Es gelang nach und nach, zuverlässige Parameter und eine Technologie für die Verschweißung der Flansche zu erarbeiten, wobei letztlich nur zwei Stück abgeschrieben werden mussten. Wir erreichten auch, bei den Schweißverbindung Rohr-Flansch bzw. Rohrbogen-Flansch auf das nachträgliche Verschleifen der Schweißnahtwurzeln verzichten zu können. Hier gab es nur einen Ausnahmefall.

Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass die IMOSI GmbH, ein kompetenter Verarbeiter von Erzeugnissen aus korrosionsbeständigen Stählen, ein neues Betätigungsfeld betreten hat:
das Orbitalschweißen von molchbaren Rohrleitungen mit Wandstärken bis 3,6 Millimetern.

Neben moderner Orbitalschweißtechnik und schweißtechnischem Know-how verfügt die IMOSI GmbH auch über moderne Videoskopie-Technik, so dass, Bestellung vorausgesetzt, hochauflösende Videoaufnahmen aller Schweißnahtwurzeln als Teil der Rohrleitungsdokumentation geliefert werden können.

Während der Arbeiten im ersten Auftrag wurden wertvolle Erfahrungen gesammelt und Ansätze für die weitere Verbesserung der Schweißnahtqualität und die Steigerung der Produktivität erkannt. Wir freuen uns darauf, diese Erfahrungen und Verbesserungsansätze in künftigen Aufträgen nutzen zu können und unsere Kunden mit guter Qualität und Liefertreue zufriedenzustellen.